Geschichte

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17.09.2004

Merlsheim

200 m über dem Meeresspiegel, etwa 400 Einwohner, Ortsteil der Stadt Nieheim, liegt an der Emmer, umgeben von bewaldeten Berghängen.Als Wappen hat unsere Gemeinde eine Amsel und wird auch oft das Amseldorf genannt. (Merle = Amsel oder Drossel)

Ortsgeschichte

In einer Urkunde des Benediktiner-Klosters Marienmünster wird anlässlich einer Güterübertragung am 24. Februar 1292 der Ratsherr Johann von Merlhossen als Zeuge erwähnt. Hier erscheint der Name Merlhossen zum erstenmal urkundlich.

Weiter erscheint verschiedentlich bis etwa 1438 der Name eines Geschlechtes von Merlhusen, es muss ein adeliges Geschlecht gewesen sein, das nicht mehr auf dem Stammsitz Merlsheim wohnte.

Die Geschichte von Merlsheim stellt ein Stück der Geschichte des Kreises Höxter dar, besonders eng sind Schönenberg und auch Nieheim damit verbunden. Die Anfänge von Merlsheim, das früher Merlhossen und Merlhusen, später Merlsen genannt wurde, verlaufen sich im Dunkel der Geschichte.

Benachbart waren um das Jahr 1000 die Bischöflichen Haupthöfe in Oeynhausen und Nieheim. Die Paderborner Bischöfe waren auch Grundherren in Merlsheim.

Bei der Pfarrtrennung im Jahre 1299, zwischen Pömbsen und Nieheim, wird Merlsheim als zurPfarrei Pömbsen gehörig bezeichnet. Kirchlich gehörte also Merlsheim und Schönenberg um das Jahr 1300 zum Bistum Paderborn. Im Jahre 1331 besitzt der Bischof in Merlsheim drei Meierhöfe. Um 1390 wird hier die Familie von Oeynhausen mit Landbesitz belehnt.

Bei der Erbteilung um 1420 erhält Sievert von Oeynhausen das Dorf mit allen Rechten und Pflichten und mit allem Zubehör. Zugleich übernimmt er die Verpflichtung:  

 „eine Festung und Borch bei das Dorf zu errichten“    (wörtliche Überlieferung)

In dieser Zeit entstand die älteste Burganlage, die im 16. Jahrhundert nach Süden, Osten und Westen im Stile der Weserrenaissance erweitert wurde. Die mit einer doppelten Gräfte umgebene Burganlage wechselte im Laufe der Zeit mehrmals den Besitzer. Die äußere Gräfte ist nur noch zum Teil erhalten, aber nach alten Karten und Zeichnungen noch gut nachzuweisen.

Im Jahre 1517 kommt der Besitz durch Erbgang an den Braunschweigischen Ritter Henrich von Rengershausen. Durch Heirat seiner Tochter mit einem von Oeynhausen fällt der Besitz als Lehen wieder an einen Zweig dieser Familie. Dieser Zweig erlischt im Mannesstamme 1632.

Das Lehen fällt an den Bischof zurück, der einen Verwalter, Anton Heinemann einsetzt.

Die Schweden nehmen 1630 das Hochstift Paderborn ein, in Merlsheim kommt es zu einem Gefecht, wobei der Verwalter fällt.

Henrich von Hoyqueslot, Lieutenant des Königs Gustaf Adolph von Schweden, heiratet die Schwester Margarethe Elisabeth, verwitwete von Hake, des letzten Oeynhausen zu Merlsheim, Burchard Hieronimus, und setzt sich in den Besitz des Lehens.

1652 belehnt Bischof Adolf von der Reck den Domdechanten von Paderborn und Domherr zu Münster, Kasper Philipp von Ketteler. Als der letzte von Ketteler starb, erhielt 1783 Friedrich Christian von Oeynhausen aus dem Hause Sudheim das Lehen. Er geriet 1810 in Konkurs.

Nachfolgende Besitzer waren: Gerhard von Heymann, General Lambert von Bock und ab 1834 Georg Frankenberg (späterer Paderborner Bürgermeister) und seine Geschwister.

Im Jahre 1845 erstand das Haus Merlsheim dann meistbietend der Freiherr Josef von Hövel vom Hause Herbeck bei Hagen. Das Gut wurde 1857 durch Kabinettsordre als Rittergut anerkannt. 1893 starb der Erwerber des Gutes Merlsheim, ihm folgte sein Neffe August Freiherr von Hövel. Der vorgesehene Erbe Franz Freiherr von Hövel starb 1915 nach schweren Verwundungen im Lazarett. August Freiherr von Hövel setzte dessen Schwester Eleonore, in Münster mit dem Rittmeister Josef von und zur Mühlen verheiratet, zur Erbin ein.  Er starb im Jahre 1917.

Eleonore von und zur Mühlen zog 1920 mit ihrer Familie von Münster nach Merlsheim.

Nach ihrem Tode im Jahre 1957 wurde ihr ältester Sohn Dr. jur. Martin Werner von und zur Mühlen Besitzer des Gutes. Er starb 1996. Jetzige Besitzerin ist seine Tochter Clarissa.

Die Geschichte von Merlsheim wurde von Studienassessor Dr. Meinersmann in den Heimatbüchern des Kreises Höxter im Band 1 von 1925 und Band 2 von 1927 veröffentlicht. Dr. Meinersmann war von 1924 bis 1926 Lehrer im Haus Merlsheim. Eine wertvolle Quelle war ihm das Manuskript von Pyrach, der um 1737 im Haus Merlsheim als Sekretär tätig war. Seine Zeichnungen vom Haus und Dorf Merlsheim sind von großem Wert, da Pläne und Zeichnungen aus früheren Zeiten nicht vorhanden sind. In einer Zeichnung von ihm aus dem Jahre 1737 wurde das Haus und das Dorf Merlsen“ genannt. Merlsheim wurde mit 16 und  Schönenberg mit 8 Häusern dargestellt.

Zu dieser Zeit wohnten in Merlsheim: 7 Meier, 6 Halbmeier, 9 Kötter und 12 gemeine oder kleine Kötter. In der Kopfschatzliste von 1790 sind 34 Hausbesitzer eingetragen.In einer Abschrift vom Amtsgericht Nieheim-Steinheim aus dem Jahre 1852 sind 27 Ackerwirte, 16 Haus- und Gartenbesitzer und 7 Beilieger ohne Grundbesitz genannt. Im Separationsrezess von 1858 sind 53 Hausnummern aufgeführt.

Mit Verordnung der Königlich Preußischen Regierung zu Minden vom 12. Dez. 1817 wurde für jede Gemeinde die Anlegung einer Chronik angeordnet. In Merlsheim wurde die Chronik 1824 begonnen und wird, mit einigen Unterbrechungen, bis heute fortgeführt.

Der damalige Chronist beschreibt das Dorf:

„Die Gemeinde Merlsheim, überall von kleinen Bergen eingeschlossen, liegt geräumig in einem Tale. Teils sind die Wohnungen noch mit Stroh gedeckt.“

Anwesen in Merlsheim im Jahre 1824:

Gut Merlsheim, 1 Schulhaus, 41 Feuerstellen mit Scheunen und Stallungen, 235 Einwohner